Experimentelle Archäologie

Das Herstellen von Zunder zum Feuer machen (Verkoken von Leinen)

 

Einer der Schwerpunkte des Archäotechnischen Zentrums in Welzow ist der Arbeitsbereich experimentelle Archäologie. Zum einem steht seit dem Jahr 2011 das Thema Einbaumbau in der Vorgeschichte im Mittelpunkt des Interesses. Resultierend aus Einbaumfunden, nicht nur aus dem Land Brandenburg, werden Fragestellungen zur Technik des Einbaumbaus von der Herstellung eines steinzeitlichen Einbaums bis hin zum spätslawischen Boot im Experiment geklärt. Die gewonnenen Erfahrungen aus diesem wissenschaftlichen Projekt des Nachbaus werden aufgezeichnet und dokumentiert und im Nachgang im Archäotechnischen Zentrum für das Publikum allgemein verständlich vermittelt.

Mittlerweile sind im ATZ und auswärts insgesamt sechs Einbäume entstanden. Zwei davon befinden sich noch im ATZ, einer liegt in Schlepzig im Spreewald, einer im Museum in Görlitz und ein steinzeitlicher Einbaum im Museum am Dümmer See in Niedersachsen. Das größte Einbaumprojekt fand im Jahr 2016 statt, als mit einer Studentengruppe gemeinsam der fast 9 m lange Einbaum von Ziesar nachgebaut wurde. Hierzu ist eine Publikation im Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege und archäologischem Landesmuseum entstanden. Mehrere Kurzfilme zum Projekt „Schwimmendes Holz“ findet man auf der Internetseite www.youtube.de. Projektbezogen wurden zahlreiche Vorträge zum Ausbrennen von Einbäumen gehalten.

Im Jahr 2018 soll zum 50jährigen Bestehen des Museums in Lembruch, Dümmer See, Niedersachsen, ein 8 Meter langer Einbaum entsprechend dem Fund am Dümmer See aus der Jungsteinzeit nachgebaut werden. Zum 20. Juli 2018 wird dieser Einbaum auf dem Dümmer See getestet werden.

Hierzu wurden extra verschiedene Beile und Dechsel aus Feuerstein und Diabas hergestellt und geschäftet. Fotos: Lausitzbilder Andreas Frank

 

 

Als zweiter Schwerpunkt hat das ATZ in den vergangenen Jahren sowohl eine breite Palette von jungsteinzeitlicher Keramik, als auch germanische Keramik hergestellt. Zwischenzeitlich wurde jungsteinzeitliche Keramik des Dümmer Sees getöpfert. Als Arbeitsschwerpunkt ab 2018 wird eisenzeitliche Hallstattkeramik angefertigt, nachdem auf dem Gelände des Archäotechnischen Zentrums sowohl reduzierende als auch oxidierende Brennversuche erfolgreich durchgeführt worden sind. Der Arbeitskreis Keramik trifft sich regelmäßig einmal im Monat zum freien Töpfern. Hier werden gerne auch archäologische Formen nach Vorlagen hergestellt. Alle Termine entnehmen Sie bitte dem Programm!

 

Als dritter Schwerpunkt finden seit 2015 Versuche zum Anbau, Ernte und Dreschen von alten Roggensorten statt, um mit Weidenbindung Roggenstrohdächer zu decken und zu schauen, wie lange solch ein Dach hält.

 

Seit etwa vier Jahren ist auch das Korbflechten mit Weide ein Arbeitsschwerpunkt des Leitenden Archäologen im Archäotechnischen Zentrum. Die typischen Körbe der Lausitz, die Schwinge und der Kartoffelkorb, werden unter Nutzung vorhandener Kopfweiden in der Region geflochten, das alte Handwerkswissen vermittelt und ganz nebenbei die Kopfweiden einer Gemeinde gepflegt.

 

Grundsätzlich ist die experimentelle Archäologie Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung und Lehre in der Bundesrepublik. Lange Tradition hat die experimentelle Archäologie an den Universitäten Hamburg und Köln und Kontakte des Archäotechnischen Zentrums zur Freien Universität in Berlin brachten schon erste Ergebnisse im jungsteinzeitlichen Hausbau.

Literatur:

Hans Joachim Behnke, Elke Kaiser, Christof Krauskopf, Franz Schopper (Hrsg): Schwimmendes Holz. Der Nachbau des slawischen Einbaums aus Ziesar – Zossen, 2017